Surrogate, Fiona Könz, Gregor Vogel

Surrogate, 2017

Performance/HD Video, 16:9, 17 min

Zusammenarbeit mit Gregor Vogel

 

In der Performance Surrogate versuchen Fiona Könz und Gregor Vogel, sich gegenseitig in allen Bereichen ihres Lebens zu ersetzen. Jeder übernimmt die Kontrolle über die Arbeit und das soziale Leben des anderen und legt, so weit dies möglich ist, dessen Gewohnheiten, Charakterzüge und Verhaltensweisen an den Tag.

 

Persönliche Gegenstände (z.B. Portemonnaie, Smartphone, Kleidung) und Informationen (z.B. Adressen, Passwörter) auszutauschen, ist einfach. Hingegen ist der Austausch von Fähigkeiten, Gedanken, Intuition und physischen Charakteristika eine weitaus grössere Herausforderung und ist letztlich nicht möglich.

 

Surrogate stellt die Frage, wie weit eine Transgression zwischen zwei Menschen möglich ist.

 

Eine Vorbereitungszeit von drei Monaten, während der sich die Performer über gewisse Eigenschaften bewusst wurden und diese einander mitteilten, während der sie sich auch gegenseitig bewusst beobachteten, sollte den Tausch vereinfachen. Zusätzlich schrieb jeder ein Tagebuch mit Gedanken über die Performance und seinen Alltag, das ebenfalls ausgetauscht und während der Performance fortgeführt wurde.

 

Auf besondere Schwierigkeiten stiessen die Performer bei der Art, wie sie vom Umfeld, das über die Performance nicht informiert worden war, wahrgenommen wurden. Während beim Schreiben (SMS, E-Mail) der Dialekt und die Schreibweise einfacher nachgeahmt werden konnten, war dies bei Telefonaten (Stimme) und persönlichen Begegnungen (Aussehen) unüberbrückbar und stiess teilweise auf Verärgerung.

 

Als Dokumentation der Performance entstand unter anderem ein 17-minütiger Film, in dem man die beiden Künstler in den entsprechenden Rollen sieht.

Die Performance wurde 2018 wiederholt mit dem Fokus auf die eigene künstlerische Praxis

Filmstills:

Seite aus dem Tagebuch

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Surrogate Fiona Könz Gregor Vogel
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Das Video beginnt mit einer Szene am Abend auf der Strasse. Die Person, die filmt, bemerkt, dass sie in die falsche Richtung gelaufen ist, als ob sie ihren Wohnort vergessen hätte. Anschliessend zeigt sie mit der Hand auf das Haus, in dem sie wohnt. 

 

Der Titel der Arbeit wird eingeblendet: Surrogate.

Die beiden Performer treten im Video abwechslungsweise auf. 

 

Fiona Könz (Gregor Vogel) setzt sich an ihr Klavier, spielt ein paar Töne und versucht, eine Melodie daraus zu machen. Man sieht sie wiederholt in ihrem Zimmer Kleider anprobieren, aus ihrem Tagebuch vorlesen oder auf Tinder Profile anschauen. Auf der Fahrt ins Engadin sieht man sie an einer Raststätte Kaffee trinken und rauchen. Mit einem schwarzen Stift malt sie ihr Tattoo auf dem linken Arm nach, das verschwunden zu sein scheint. Am Ende des Films steht sie vom Klavier auf und verlässt den Raum. 

 

Gregor Vogel (Fiona Könz) spricht direkt in die Kamera. Er erwähnt zu Beginn erleichtert, dass er von seinen Mitbewohnern als Gregor akzeptiert wurde, spricht aber auch über seine Schwierigkeiten, in Konversationen einzutauchen, da er sich nicht an Dinge erinnert, die er wissen sollte. Er erwähnt seine Mühe, die Gedanken von Fiona in den Hintergrund zu stellen, um die Transgression zu ermöglichen. Weiter zweifelt er, ob er überhaupt er selbst bzw. jemand anderes sein möchte. Genervt bittet eine Freundin am Telefon ihn ununterbrochen um Gregor. 

 

Die Künstler machen sich Gedanken über die Performance an sich: Was bedeutet Performance und wo wird sie zum Schauspiel – was sie im Grunde nicht anstreben. Der Gedanke, dass sie die andere Person spielen müssen, statt wirklich sie sein zu können, lässt Zweifel am Projekt aufkommen und wird gleichzeitig zum Inhalt der Arbeit. 

© 2019 by Fiona Könz